Zu Besuch bei Anne

Berlin
// 22. Januar 2016
// Berlin • I-Gespräch Nr. 41

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Mit kleinen Ideen große Wellen schlagen

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Foto 22-01-2016 19.32.31„Ich werde wohl nie reich werden.“ Sie hat nicht nur eine soziale Seite, sondern ist durch und durch sozial eingestellt und bereit, dafür auf den eigenen Wohlstand  zu verzichten. Ich staune, als ich mir vor meinem Gespräch mit Anne Kjær Riechert (ja, juhuu – sie ist Dänin!) ihren CV auf linkedin anschaue, denn Ihre aktuelle Firma „ReDi School of digital integration“ (vorher „Refugees on rails“) ist nicht ihr erstes soziales Projekt und Berlin eine Station nach vielen anderen wie Tokyo, Kalifornien, Australien und Norwegen.

Wir haben uns auf dem Event von Berlin Partner am 2.12.15, auf dem die Flüchtlingsinitiative „Alle helfen jetzt“ vorgestellt wurde, kennengelernt und jetzt gab es endlich die Gelegenheit, sich hier in Berlin auf einen Kaffee zu treffen. Auch wenn mich brennend interessiert, was Anne beruflich so treibt, sollte es kein I-Gespräch werden, aber nach den vielen tollen Infos, die ich mit nach Hause nehme, werte ich es durchaus als solches!

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Anne ist 33 und sie hat die Programmierschule „ReDi School of digital integration“ gegründet, um nichts weniger als „eine globale Bewegung in Gang zu setzen und zu helfen, die Sichtweise auf Geflüchtete von einer Last zu einer Ressource zu ändern“. Die Programmierkurse dauern drei Monate und sollen den Geflüchteten dabei helfen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die ersten Kurse sind bereits finanziert, denn sie hat mehrere große Geld- und Sachspenden akquirieren können sowie einen Investor für sich gewinnen können. Das Projekt trifft auf großes Interesse und schon bei seinem Beginn entstand ein fruchtbarer Kontakt zu Microsoft. Klasse, oder?!

 

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Ein anderes Projekt von Anne hat mich aber noch mehr in seinen Bann gezogen: „Kids have a dream“. Das sind Workshops mit Kindern im Alter von 10 – 15 Jahren auf der ganzen Welt, wo diese nach Input und Aufwärmübungen ihre Träume mit Stiften und Papier visualisieren. Klingt schön. Ist aber noch viel besser als man denkt, denn aus einigen Workshops sind kleine Wunder geworden: In einem der gefährlichsten Slums von Kapstadt, Wesbank, wurde durch den Workshop klar, dass den Kindern ein sicherer Ort nach dem täglichen Verlassen der Schule fehlte und daher gründete der Veranstalter einen „Kids have a dream“-Chor. Drei Wochen nach dem Start des Chors waren bereits 80 Kinder auf der Bühne und sangen. Damit nicht genug: Die junge Dame, die bei einem DSDS-vergleichen Wettbewerb in Südafrika den zweiten Platz belegte, kontaktierte Anne mit dem Wunsch, ein Lied für diesen Chor schreiben zu dürfen. Und da das Ganze zeitlich mit dem 90. Geburtstag von Nelson Mandela zusammenfiel, sang der Kinderchor eben jenes Lied für Mandela an seinem Geburtstag. Pure Gänsehaut überfällt mich als ich das höre.

Sie möchte gerne mit kleinen Dingen große Wellen in Gang setzen, sagt Anne. Und genau das gelingt ihr!

Ihren festen Job in einer Werbeagentur hat sie zum Ende des vergangenen Jahres aufgegeben, um sich ganz dem neuen Projekt widmen zu können. Bislang bezieht sie kein Einkommen daraus und finanziert sich durch eine nebenberufliche Tätigkeit als Beraterin. Woah, diese Risikobereitschaft beeindruckt mich! Und mich beeindruckt, wen und was sie alles schon für ihr Projekt gewinnen konnte. Die ersten Ausbildungen sind gestartet und es gibt schon Firmen, die interessiert sind an der Übernahme einiger Absolventen.

Was ich von Anne für meine Schatzsuche mitnehme:

  Kleine Ideen können große Wirkung erzeugen, die nicht planbar sind 

  Ein soziales, gut durchdachtes Projekte findet Unterstützung, die es tragen kann 

 

Vielen lieben Dank an Anne und ein Satz zu Berlin sei an dieser Stelle noch gesagt: Wo ich Berlin so groß und unüberschaubar finde, findet Anne es hier geradezu gemütlich, denn nach Tokyo wirkt unsere Hauptstadt eher wie eine Kleinstadt für sie. Da muss ich schmunzeln.

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