Spitzel bei Jungunter nehmern

Hamburg
// 15. Oktober 2015
// Hamburg-Altona • I-Gespräch Nr. 39

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Ein kleiner Tisch mit ein paar Büchern auf einer kleinen, zaghaften Tischdecke, dahinter ein paar Jungs. Einer aufmerksam den Passanten zugewandt, zwei andere kabbeln sich und spielen mit ihren Smartphones. Sie wirken wie der zarte Versuch eines kleinen Flohmarkts.

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Ich weiß, wieso diese Jungs und alle ihre Klassenkameraden heute am Altonaer Bahnhof stehen und gehe auf sie zu, lächle sie an und tue, als wüsste ich von nichts.

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Futurepreneur steckt dahinter. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen die Selbständigkeit näher zu bringen. Die Gründerin Kerstin Heuer lebte einige Jahre in Schweden und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland holte sie mit diesem innovativen Konzept ein Stück Schweden zu uns.

Nachdem ich Ende August der Abschlusspräsentation der Sommerunternehmer in der Hamburger Handelskammer beiwohnen durfte, erlebe ich heute live, wie es aussieht, wenn sich Teenies mit einer unter Anleitung entwickelten Geschäftsidee auf die Straße trauen und ausprobieren, wie es ist, ein Unternehmer zu sein.

Mit viel Engagement und Begeisterung sind die vier Mädels diese Aufgabe angetreten, die ich eine Ecke weiter treffe:

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Sie haben innerhalb eines Nachmittags nicht nur 26 Behältnisse mit selbstproduzierter Naturkosmetik gefüllt, sondern noch kleine Stoffsäckchen als Verpackung genäht und einen Bauchladen zur Produktpräsentation gebastelt.

Die vier sprechen mich von sich aus an und erzählen mir von ihrer Projektwoche und ihren Produkten. Unter deren spektakulären Bezeichnungen kann ich mir wenig vorstellen und frage nach, worauf eines der Mädchen sofort eine Liste der Inhaltsstoffe zückt und zitiert.

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Ich erstehe ein Glas Duschgel und einen Badezusatz, der angeblich sprudeln soll. Ich werde an die vier Mädels mit den Mützen denken wenn ich mich mit dem lila Irgendwas unter der Dusche einseife. Ein Filz-Eichhörnchen und eine persönliche Botschaft gibt es obendrein – echt gutes Marketing wie ich finde:

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Ich bin heute mit Luisa Gräve unterwegs, einer der drei engagierten Mitarbeiterinnen von futurepreneur. Der heutige Tag ist der letzte der viertägigen Projektwoche an einer Schule in Stellingen. Unter Anleitung haben die Kinder eine Geschäftsidee entwickelt und probieren diese heute aus. „Selbstbestimmt in der Welt unterwegs sein, selbst entscheiden können und etwas beeinflussen“ – das ist, was Kindern an den Projekten von futurepreneur Spaß macht, sagte Kerstin Heuer mir im Interview im August. Weiter erklärte sie „Wir holen die Kinder dort ab, wo ihre Stärken liegen und damit kommen auch die zum Zug, die vielleicht in der Schule schlecht sind, aber in der Freizeit was drauf haben.“

Dieses Konzept ist einfach genial! Heute kann ich mich schon zum zweiten Mal davon überzeugen, dass Kinder in diesem Rahmen aufblühen und für sie bislang unbekanntes Terrain als spannenden Experimentierraum nutzen. Eine geniale Art, Eigenschaften zu erlernen, die für das Leben wichtig sind!

 

Was ich von futurepreneur für meine Schatzsuche mitnehme:

  Ich möchte Kindern gerne etwas für ihr Leben mitgeben 

  Es reizt mich, Projekte mit Kindern außerhalb des Schulunterrichts durchzuführen 

  Ich möchte gerne, dass Kinder verstehen, dass „sie ihr eigenes Glück schmieden“ können  〈

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