Am Scheideweg im Nebel

Allgemein
// 5. Februar 2016
// Gütersloh

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Nachdem in den letzten Monaten etliche Türen für mich aufgegangen sind und ich eine nach der anderen beschwingt geöffnet habe, stehe ich jetzt gerade vor einigen Türen, die klemmen.

Vielleicht bin ich es, die nicht beherzt genug versucht, sie zu öffnen, vielleicht ist es etwas anderes.

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In jedem Fall stehe ich an einem Punkt, an dem ein Knoten gelöst werden muss. Ein Punkt, an dem die Existenz- und die Herzensfrage sich gegenseitig die Köpfe einschlagen und dieser Kampf so viel Nebel verursacht, dass ich nicht mehr klar sehen kann.

Was ich weiß ist: In wenigen Monaten brauche ich eine Einnahmequelle, die mich ernährt.

Was mein Herz auf dieser Reise zweifelsohne am stärksten hat aufblühen lassen, ist das Projekt „Kreativmanufaktur“ mit Sabine – damit könnte ein von mir langgehegter Traum in Erfüllung gehen: ein mit einer starken Partnerin eigens aufgebautes Upcycling-Taschenlabel in Form eines sozialen Projekts. Unbestritten phantastisch für mich.

Doch was mich in den letzten Wochen vor allem beschäftigt, sind zwei Fragen: Lässt sich das Projekt wie geplant überhaupt realisieren und wie soll ich damit innerhalb der kommenden Monate eine finanzielle Sicherheit für mich aufbauen und wie gehe ich mit Berlin um? Mein Herz schlägt eben vor allem für Hamburg und nicht für Berlin.

Foto 24-01-2016 16.38.28Um mich dem ganzen Thema zu nähern, war ich gerade eineinhalb Wochen in Berlin, wo ich zwei I-Gespräche führen, Berlin fühlen und eine Woche bei Albatros und in einer ihrer Flüchtlingsunterkünfte mitarbeiten wollte.

Foto 07.02.16, 09 27 02

Eine hartnäckige Erkältung hat mich ca. die Hälfte der Zeit ins Bett verfrachtet, was alles Erlebte zu einer Lightversion hat werden lassen. Schade, denn ich komme nur wenig klüger zurück:

  • Mein Verhältnis zu Berlin ist durch die wenigen kurzen Spaziergänge und Fahrten mit den Öffis nicht intensiver geworden – fast eher im Gegenteil.
  • Das I-Gespräch mit Anne hat mir neuen Mut gegeben, die Kreativmanufaktur weiterzudenken und entsprechende Inspiration gegeben.
  • Das zweite I-Gespräch (das nicht veröffentlicht werden darf) hat mir ein paar kleinere Impulse gegeben, aber vor allem auch eine Tür zugeschlagen.
  • Die zwei Tage bei Albatros, besser gesagt in einer Flüchtlingsnotunterkunft waren spannend und haben mir gezeigt, dass ich mich schnell in neue Arbeitssituationen einfinden kann und warm aufgenommen werde. Ich habe unter anderem einen Tag mit den Kindern dort gespielt, gemalt und mit Händen und Füßen kommuniziert – woah, das war toll! Aber nichts für mich auf Dauer.

Nach vielen tausend Gedanken und einem langen Gespräch mit Sabine gestern Abend habe ich das Gefühl, an einem Scheideweg zu stehen, an dem ich mich für die weitere Richtung entscheiden muss. Ich und auch Sabine brauchen Klarheit. Und da ich diese nicht aus dem Hut zaubern kann, versuche ich mich dem Ganzen durch folgendes zu nähern: Ich verbringe die kommende Woche in Hamburg und

  • führe I-Gespräche (hoffentlich, denn bislang habe ich noch keine Zusage…) mit anderen Taschenlabels, die teils auch soziale Projekte sind
  • präsentiere im Rahmen der Veranstaltung Labor X die Idee der Kreativmanufaktur, um Feedback zu bekommen
  • sortiere mit meiner ehemaligen LWP-Trainerin mal alles

Klingt nach ’nem Plan, oder? Anke sagt, es läuft und alles fließt. Oft haben Außenstehende ja den klareren Blick auf das eigene Leben und daher versuche ich, diesen Meinungen zu vertrauen.

Es kostet mich Überwindung, diese Zeilen öffentlich zu schreiben. Denn am liebsten würde ich nur schreiben, dass alles wie geschmiert läuft und ich straight auf mein Ziel zusteuere. Aber dem ist nicht so und will auch diese, für mich sehr schwierige Phase mit Euch teilen.

Im Prinzip sind es alles nur Möglichkeiten, die sich aufgetan haben, weil ich einen Schlussstrich gezogen und mich auf die Reise gemacht habe. Und das ist wunderbar! Bei all diesen Türklinken vergesse ich manchmal, welche tollen Dinge mir schon auf der Reise begegnet sind und mich für meinen Mut belohnt haben.

Danke dafür, liebes Universum!

Hamburg, ahoi, ich komme!

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